Form- und Lagetoleranzen

Vertiefungsseminar

Die wichtigsten Werkzeuge und Regeln der neuen ISO-GPS-Normen (seit 2016) kennen und funktionsgerecht anwenden. Die Logik der geometrischen Tolerierung vollumfänglich verstehen und Tolerierungsfehler sicher vermeiden

Zum Thema

Sie haben es wahrscheinlich bereits selbst bemerkt: Nach dem Besuch eines Basisseminars zur geometrischen Tolerierung möchte man das Erlernte in die Praxis umsetzen und stellt dann fest, dass die Anwendung der GPS-Werkzeuge auf reale Bauteile und Funktionsanforderungen erheblich komplexer ist, als erwartet – genau hierfür wurde unser Vertiefungsseminar konzipiert.

Nach dem Besuch des Seminars sollten Sie in der Lage sein, die Logik der geometrischen Tolerierung vollumfänglich zu verstehen, Tolerierungsfehler künftig zu vermeiden und auch komplexe Funktionsanforderungen souverän zu lösen.

Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, wählen wir einen im Vergleich zum Basisseminar anderen didaktischen Ansatz: Die geometrische Tolerierung – zumindest in Bezug auf die zur Lösung der meisten Funktionsanforderungen unverzichtbaren Richtungs- und Ortstoleranzen – muss als ein Blockieren bzw. Freigeben von Freiheitsgraden zwischen dem/den Situationselement(en) des Bezugs bzw. Bezugssystems und dem/den Situationselement(en) der Toleranzzone begriffen werden.

Auch beim Aufbau von brauchbaren, funktionsgerechten Bezugssystemen können mit dieser, im Grunde sehr einfachen Betrachtungsweise, kritische Tolerierungsfehler sicher vermieden werden. Es müssen lediglich auch hier nur die elementaren Regeln des gegenseitigen Blockierens von Freiheitsgraden zwischen den Situationselementen der bei der Bezugsbildung angepassten Flächen bekannt sein und richtig angewandt werden.

Schließlich halten die einschlägigen Standards zur geometrischen Tolerierung auch Werkzeuge, wie zum Beispiel die Maximum-Material Bedingung oder das Einbinden digitaler CAD-Datensätze in Verbindung mit Profiltoleranzen bereit, die bei richtiger Anwendung zu einer signifikanten Reduzierung der Entwicklungszeit und –kosten sowie der Kosten für Fertigung und Prüfung führen können, aber auch einige nicht unerhebliche Risiken bergen, die wir im Seminar ebenfalls besprechen wollen.

Seminarziel

Das Vertiefungsseminar zu "Form- und Lagetoleran­zen" baut auf dem Basisseminar auf. Neben einer Wiederholung der wichtigsten Inhalte des Basissemi­nars sowie der Klärung von Teilnehmer­fragen, werden im Vertiefungsseminar die wich­tigsten neuen (seit 2016) ISO-GPS-Werkzeuge für eine funkti­ons-, prüf- und kosten­gerechte geometrische Tole­rie­rung besprochen. Beson­derer Wert wird auf mögliche Anwendungen dieser Werkzeuge zur Lösung typi­scher Funktionsanforde­rungen aus der Praxis gelegt. Schwer­punkte sind hierbei unter anderem die neuen Normen ISO 1101:2017, ISO 1660:2017, ISO 5459:2011 bzw. ISO/DIS 5459.2:2017 und ISO 5458:2018 sowie ISO 17450-3:2016.

Nach dem Besuch des Vertiefungsseminars wird es Ihnen möglich sein:

  • die Logik der geometrischen Tolerierung vollumfänglich zu verstehen und Tolerierungsfehler, insbesondere beim Aufbau von Bezugssystemen im Kontext mit einer funktionsgerechten Richtungs- und Ortstolerierung, sicher zu vermeiden,
  • Werkzeuge, wie die Maximum-Material Bedingung, die zu einer Verminderung der Entwicklungs-, Fertigungs- und Prüfkosten führen kann, zu verstehen und richtig anzuwenden,
  • durch Einbindung digitaler CAD-Datensätze Ihre Produktspezifikationen (Konstruktionszeichnungen) nicht nur deutlich einfacher zu gestalten, sondern auch Prüfaufwand und Kosten nachweisbar zu vermindern,
  • die wesentlichen Werkzeuge der neuen (seit 2016) ISO-GPS-Normen zur Lösung – auch komplexer – Funktionsanforderungen bei Bedarf richtig anzuwenden.

Seminarinhalte

Eine ausführliche Beschreibung der Seminarinhalte finden Sie im Seminarprogramm.

  • Wiederholung der wichtigsten Inhalte aus dem Basis-Seminar
    - GPS Matrix-Modell (ISO 14638:2015): Stand und Weiterentwicklung des ISO GPS-Normensystems (Roadmap)
    - Anwendungsgrenzen von ISO GPS, derzeit nicht beschreibbare Funktionsanforderungen

  • Maße und Maßtoleranzen (Dimensionelle Toleranzen)
    - Modifikatoren für lineare Größenmaße, Vereinigtes Geometrieelement (UF) für dimensionelle Toleranzen, gemeinsame Toleranz (CT) 
    - Minimax- (Tschebyscheff) Größenmaß als Grundlage für Toleranzrechnungen und Alternative zur Hüllbedingung
    - Winkelgrößenmaße (neue ISO 14405-3:2016), Modifikatoren (z. B. LG, GG, GC), Rangordnungs-Winkelgrößenmaße, Beispiele

  • Toleranzzonen 
    - Spezifikation einer veränderlichen Toleranzzonenweite, asymmetrische Toleranzzonen (UZ- und OZ-Modifikator) 
    - Kombination von Toleranzzonen: CZ-, CZR-, SZ- und SIM-Modifikatoren (neue ISO 5458:2018, Sonderregelung für MMR und LMR

  • Formtoleranzen (neue ISO 1101:2017, sowie ISO 12180-1, ISO 12181-1, ISO 12780-1, ISO 12781-1)
    - Geradheit von Linienelementen einer Ebene, Schnittebenen-Indikator, Ebenheit und Ebenheitsmessung
    - Rundheit von Rotationsflächen (z. B. Kegel), Richtungselement, Auswirkung der Wellenzahl je Umdrehung (UPR) auf das Messergebnis
    - Kenngrößen der Zylindrizität, Verminderung der Fertigungskosten durch Vermeidung der Spezifikation von Zylindrizität
    - Einfluss des Referenzelements auf das Messergebnis (z. B. LSPL oder MZPL), Spezifikationselemente für Form (u. a. GT, GV, GP, GQ)

  • Bezüge und Bezugssysteme (ISO 5459:2011 und ISO/DIS 5459.2:2017)
    - Aufbau und Interpretation komplexer Bezüge und Bezugssysteme, Praxisbeispiele und Tipps, Erkennen unbrauchbarer Bezüge
    - Assoziationsverfahren (Zielfunktionen): Gauss, Minimax, Hüll-/Pferchele­ment, Volumenminimierung und Regeländerungen
    - Nebenbedingung des Materials (Modifikatoren O, I, M, +, -) und der Dimension des intrinsischen Merkmals ([SV] und [SF])
    - Gemeinsame Bezüge: Regeln für die Bildung eines gemeinsamen Bezugs; Freigeben der Nebenbedingung des Orts [DV]
    - Bezugssysteme: Regeln für die Bezugsbildung, Blockieren der Nebenbedingung des Orts für den sekundären und tertiären Bezug [DF]
    - Verwaltung von Freiheitsgraden durch Situationselemente ([PT], [SL] und [PL]),
    - Verwaltung von Freiheitsgraden durch Blockieren translatorischer (><) oder individueller  (Tx, Ty, Tz, Rx, Ry, Rz) Freiheitsgrade
    - Unterschiede der Interpretation von Bezugssystemen zwischen ISO GPS und ASME Y14.5-2009

  • Ortstoleranzen (neue ISO 1101:2017 und neue ISO 5458:2018)
    - Regeländerungen mit Einführung von neuer ISO 5458:2018, Orientierungsebene, Anwendungsbeispiele
    - Toleranzzonenmuster mit Positionstoleranzen: CZ-, CZR-, SZ und SIM-Modifikatoren (neue ISO 5458:2018), Beispiele
    - Interpretationsunterschiede zwischen ISO GPS und ASME Y14.5 bei Position, Koaxialität und Symmetrie, Übungs-, Praxisbeispiele

  • Profiltoleranzen (neue ISO 1101:2017 und neue ISO 1660:2017)
    - Anwendung von Profiltoleranzen als Form-, Richtungs- und Ortstoleranzen, Anwendungsbeispiele (z. B. Dichtflächen)
    - Toleranzzonenmuster mit Profiltoleranzen: CZ-, CZR-, SZ und SIM-Modifikatoren (neue ISO 5458:2018), Beispiele, Kollektionsebene
    - Geometrieelementprinzip (ISO 8015:2011) und vereinigtes Geometrieelement (UF), Unterschied zwischen CZ- und UF-Modifikator
    - Tolerierung komplexer Geometrien (Kunststoff-Formteile, Rohgussteile, Schmiedeteile), Anwen­dungstipps und Anwendungsgrenzen
    - Allgemeine Profiltolerierung als Ersatz für Allgemeintoleranzen, Einbindung von CAD-Modellen (ISO 16792:2012, ASME Y14.41-2012)

  • Maximum-Material-Bedingung (ISO 2692:2015) - Vertiefung
    - Maximum-Material-Bedingung (MMR) als Instrument zur Toleranzerweiterung und Kostenreduktion, Lehrenprüfung
    - Anwendungsgrenzen der Maximum-Material-Bedingung, typische fehlerhafte Anwendungen
    - Wechselwirkungs- oder Reziprozitätsbedingung (RPR), Anwendungsbeispiele

  • Minimum-Material-Bedingung (ISO 2692:2015)
    - Sinn und Zweck der Minimum-Material-Bedingung, Anwendungsbeispiele und Anwendungsgrenzen

  • Definitionsnahe bzw. definitionskonforme Verifikation geometrischer Toleranzen
    -
    Mess- und Prüfverfahren (z. B. Koordinatenmesstechnik, Computertomographie)
    - Messunsicherheit, Nachweis von Konformität oder Nichtkonformität mit Spezifikationen (ISO 14253-1:2017)

  • Wichtige Unterschiede der Tolerierung zwischen ISO GPS und ASME Y14.5-2009

  • Diskussion firmenspezifischer Fragestel­lungen, Teilnehmerfragen, Abschlussdiskussion

  • Tipps für die Weiterarbeit nach dem Seminar, betriebliche Einführung von ISO GPS


Seminardauer:
  2 Tage

Seminartyp:      Inhouse-Seminar

Bezeichnung:    GPS-ADV

Abschluss:        Teilnahmezertifikat

Bonus:              Zugang zum Kundenbereich auf unserer Homepage


Unser ausführliches Seminarprogramm mit Nutzen, Inhalten und Zielen des Vertiefungsseminars zu Form- und Lagetoleranzen (Geometrische Toleranzen).

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