Erstellung normgerechter Technischer Zeichnungen

Alle wesentlichen Änderungen der neuen internationalen Normen und ihre weitreichenden Auswirkungen kennen und konstruktiv richtig umsetzen

Zum Thema

Die Kon­strukti­onszeich­nung (Technische Zeich­nung) ist in der in­dustriellen Fertigung ein zentrales Do­kument. Sie beinhaltet die wichtigsten In­formatio­nen zu Geometrie und Funktion eines techni­schen Pro­dukts. Ohne ihre Hilfe ist die wirt­schaftli­che Ferti­gung eines funktionsfähigen Produkts nicht möglich.

In der Praxis ist jedoch weitge­hend unbekannt, dass sich nahezu sämtliche Normen in einem vollständigen Um­bruch befin­den und neue, komplexe internationale Standards hinzugekommen sind. Während diese neuen in­terna­tio­nalen Standards auf die heutigen Möglichkeiten des CAD, eine moderne Fertigungs- sowie die digitale Messtechnik ausgerichtet sind, befinden sich die meis­ten Konstruktions­zeichnungen insbesondere im Hinblick auf das To­leranzmanage­ment bes­tenfalls auf dem nor­mativen Stand der 1980er-Jahre - mit gravierenden Folgen für die In­terpretation, Kommunikation, die Fertigungs- und Prüfkosten sowie die Produktquali­tät und Pro­dukt­haf­tung. Auch stehen diese Spezifi­kationen nicht im Einklang mit den elementaren For­derungen aus ISO 9001. Weiterhin sind für 2018 und die folgenden Jahre signifikante Normänderungen sowie der Rückzug bekannter Nomen geplant.

Die unmittelbaren Folgen sind (vermeidbare) Fehlinterpretationen, möglicherweise überhöhte Fertigungs- und Prüf­kos­ten durch unnötig enge Tole­ranzen, schwer oder nicht mon­tier­bare oder gar funk­tionsunfähige Produkte, insbesondere auf­grund einer falschen, mehrdeuti­gen oder unzweckmäßigen Tole­rierung von Maß, Form, Lage und Oberfläche, unnötiger Abstim­mungsbedarf, so­wohl innerbetrieblich also auch zwi­schen den Vertragpartnern (z. B. Kunde oder Zulieferbetrieb) und mögli­cherweise risikoreiche Rechtstreitigkeiten mit der Folge komple­xer Pro­dukthaftungsfragen.

Seminarziel

Vorrangiges Ziel des Seminars ist es aufzuzeigen, wel­che signifi­kanten Norm­än­de­rungen sich in den letzten Jah­ren, insbesondere mit der Einführung des ISO GPS-Normensystems vollzogen ha­ben. Dieses umfassende „Up­date“ der internati­ona­len Zeich­nungs­normung erlaubt es Ihnen, fehlerhafte, mehrdeutige und miss­ver­ständliche sowie nicht funktionskonforme Eintra­gun­gen in bestehenden Konstruktionszeichnungen zu erken­nen und sicher zu beseitigen.

Ihnen wer­den außerdem die wichtigsten „Default- Re­geln“ (Regeln die ohne besondere Vereinbarung oder Sym­bolik gelten) der neuen interna­tionalen Normung bekannt sein und Sie lernen die wichtigsten, heute weltweit eingeführten normativen Werk­zeuge der internationalen Zeichnungsnormung kennen und in der Pra­xis richtig und sicher anzuwen­den.

Inhalte

  • Einführung
    - Die Konstruktionszeichnung – Ein rechtsverbindliches Vertragsdokument
    - Konsequenzen einer fehlerhaften, mehrdeutigen oder nicht normkonformen Konstruktionszeichnung – Wer haftet im Schadenfall?
  • Normung
    - Geometrische Produktspezifikation (GPS) – das GPS-Matrixmodell (ISO 14638:2015)
    - Recht, Produkthaftung und Normung
  • Grundlagen
    - Schriftfelder, Stücklisten (ISO 7200), Maßstäbe (ISO 5455) Linienarten, -breiten, -gruppen (ISO 128-20, -22, -24)
    - Projektionsmethoden (ISO 128-30, -34, ISO 5456-2), Kanten, Mittellinien, Lichtkanten, ebene Flächen, Einzelheiten
  • Schnittdarstellungen
    - Grundregeln (ISO 128-40 und -44), Voll-, Halb-, Teil-, Profilschnitt, neue Regeln zur Schnittdarstellung, Schraffurarten
  • Tolerierungsprinzipien
    - Unabhängigkeitsprinzip und Hüllbedingung (ISO 8015:2011) Hüllprinzip (DIN 7167:1987, zurückgezogen) „rule #1“ (ASME Y14.5)
    - Grundlegende Prinzipien und Regeln für Konstruktionszeichnungen auf Basis der neuen ISO 8015:2011
  • Maße, Maßinterpretation, Maßtoleranzen (dimensionelle Toleranzen) und Bemaßungsregeln
    - Typische Fehler der Maßtolerierung in Konstruktionszeichnungen (Fallbeispiele) und ihre Auswirkungen auf die Funktion
    - Lineare Größenmaße, lineare Abstände, Radien und Winkel, Zweipunktgrößenmaß (neue ISO 17450-3:2016 und ISO 14405-1:2016)
    - Funktionsgerechte Maßtolerierung durch Modifikatoren für lineare Größenmaße gemäß neuer ISO 14405-1:2016
    - Winkelgrößenmaße: Zweilinien-Winkelgrößenmaß und Modifikatoren (neue ISO 14405-3:2016)
    - Grenzen der Maßtolerierung und Unterschied zur geometrischen Tolerierung (ISO 14405-2:2012)
    - Allgemeintoleranzen für Maße: ISO 2768-1/-2 und Konsequenzen aus geplantem Rückzug, Kunststoff-Formteile (DIN 16742:2013)
    - ISO Maßtoleranzsystem (ISO 286-1:2010): Richtige Interpretation ISO-codierter linearer Größenmaße (z. B. 30 H7)
    - Bemaßungsregeln (neue ISO/DIS 129-1, Vergleich mit DIN 406-10, -11, -12 sowie ISO 14405-1:2016)
  • Neue Tolerierungsmöglichkeiten für Form-, Guss- und Schmiedeteile
    - Zeichnungsangaben für Formteile (z. B. Formschrägen, Einfallstellen, Teilungsebenen) gemäß ISO 10135:2009
    - Zeichnungsangaben für Metallgussteile gemäß ISO/TS 8062-2:2014
  • Form- und Lagetoleranzen (Geometrische Toleranzen)
    - Typische Fehler der Form- und Lagetolerierung (Fallbeispiele) und ihre Auswirkung auf die Funktion
    - Normgerechte Zeichnungseintragung (Symbolik) und richtige Interpretation, Toleranzzonen
    - Formtoleranzen: Geradheit, Ebenheit, Rundheit, Zylindrizität, Referenzelemente und Erkennen fehlerhafter von Messprotokolle
    - Funktions-, fertigungs- und prüfgerechte Bezugsbildung (neue ISO 5459:2011)
    - Profiltoleranzen: Richtige Interpretation und funktionsgerechte Anwendung, ISO 1660:2017
    - Profiltoleranz einer Linie und Profiltoleranz einer Fläche, Anwendung der Profiltoleranzen als Form-, Richtungs- und Ortstoleranzen
    - Einbindung digitaler CAD-Modelle und vereinfachte CAD-Zeichnungen (VDA 4953)
    - Richtungstoleranzen: Parallelität, Rechtwinkligkeit, Neigung, Anwendungs- und Praxisbeispiele
    - Ortstoleranzen: Koaxialität, Symmetrie, Positionstoleranzen (neue ISO 1101:2017 und neue ISO/FDIS 5458:2017)
    - Theoretisch exakte Maße (TED), normkonforme Zeichnungseintragungen, Anwendungs- und Praxisbeispiele
    - Lauftoleranzen: Einfacher Lauf und Gesamtlauf, Unterschied zwischen Rundlauf, Rundheit und Koaxialität, Praxisbeispiele
    - Allgemeintoleranzen für Form- und Lage: Wichtige Normänderungen, Lücken der Allgemeintoleranznormen  
  • Oberflächenrauheit, Oberflächenkenngrößen und Oberflächenmesstechnik
    - Grundlagen der Oberflächenmesstechnik: Tastschnittverfahren, berührungslose Messsysteme
    - Profilfilter, Gaussfilter nach ISO 16610-21:2011, Grenzwellenlänge und Indices (λs, λc (“Cut-Off”) und λf)
    - Messbedingungen, die u. a. von der Konstruktion festzulegen sind: Messort, Messrichtung und Messstrecke
    - Wahl der Grenzwellenlänge λc nach ISO 4288 ("Default"-Werte) und deren Einfluss auf das Messergebnis
    - Rauheitskenngrößen (R-Kenngrößen) nach ISO 4287, wie z. B. Ra, Rz, Rt, Rq, Rsk
    - Welligkeitskenngrößen (W-Kenngrößen), wie z. B. Wellentiefe Wt
    - Kenngrößen des Primärprofils (P-Kenngrößen), wie z. B. Pt
    - Materialanteilkurve des Profils (Abbott-Firestone-Kurve), Nulllinienverschiebung und Kenngrößen, wie z. B Rmr(c) und Rdc
    - Normgerechte Zeichnungseintragung nach ISO 1302 und richtige Interpretation der Symbolik
    - Annahmekriterien: 16 %-Regel, Höchstwert-Regel („max-Regel“)
    - Flächenhafte Verfahren zur Ermittlung der Oberflächenbeschaffenheit nach ISO 25178 ff. ("3D-Kenngrößen") - kurzer Ausblick
  • Wärmebehandlungsangaben
    - Wort- und Zustandsangaben (EN 10052)
    - Zeichnungsdarstellung und Symbolik von Wärmebehandlungsangaben (neue ISO 15787:2016)
    - Kenngrößen: Randschichthärtungstiefe SHD (EN 10328), Einsatzhärtungstiefe CHD (ISO 2639), Nitrierhärtetiefe NHD (DIN 50190-3)
  • Verfahrensregeln für die digitale Produktdefinition (neue ISO 16792:2015 und ASME Y14.41:2003)
  • Darstellung und Bemaßung von Werkstückkanten (neue ISO 13715:2017)
    - Normgerechte Spezifikation und richtige Interpretation der Symbolik
    - Kantenmaße und Anwendungsgrenzen von ISO 13715
  • Schweiss- und Lötverbindungen (ISO 2553:2013)
    - Bezugszeichen sowie Grund- und Zusatzsymbole für Nähte, Anwendung und richtige Interpretation der Symbolik
    - Kennzahlen für Schweiß- und Lötprozesse (ISO 4063), normgerechte Kennzeichnung der Arbeitsposition (ISO 6947)
    - Bemaßung von Schweiß- und Lötnähten
  • Zeichnungsvereinfachungen (u. a. DIN 30-10, ISO 6410, ISO 6411)
  • Diskussion firmenspezifischer Fragestellungen sowie Abschlussdiskussion


Seminardauer: 
2 Tage

Seminartyp:      Inhouse-Seminar

Bezeichnung:    GPS-DRW

Abschluss:        Teilnahmezertifikat

Bonus:              Zugang zum Kundenbereich auf unserer Homepage

Unser aktuelles Seminarprogramm mit Nutzen, Inhalten und Zielen des Seminars zu "Erstellung normgerechter Technischer Zeichnungen"

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