Steinbeis-Beratungszentrum Konstruktion. Werkstoffe. Normung.
Infobrief November 2025

Sehr geehrte Kunden, sehr geehrter Nutzer unseres Informationsservice,

wie Sie sicherlich wissen, wurde im August dieses Jahres die neue ISO 14405-1 (Dimensionelle Tolerierung – Lineare Größenmaße) veröffentlicht. ISO 14405-1:2016 wurde zurückgezogen. Die wesentlichen Än­derungen haben wir Ihnen nachfolgend zusammengefasst.

Vorab möchten wir Sie jedoch gerne noch auf ein bevorstehendes offenes Präsenzseminar und ein neues offenes Seminarformat hinweisen. Detaillierte Informationen zu den genannten sowie zu allen unseren offenen Präsenz-Semi­narformaten finden Sie auf unserer Homepage unter Übersicht - Offene Präsenzseminare.

Arithmetische und statistische Tolerierung in der Produktentwicklung - Funktionen absichern, Bauteiltoleranzen aufweiten und Fertigungskosten reduzieren

Offenes Präsenzseminar am 01. und 02.12.2025 in Stuttgart. Für dieses Seminar sind für Kurzent­schlossene noch Plätze zum genannten Termin verfügbar.

Eine eindeutige und funktionsgerechte geometrische Produktbeschreibung ergibt letztlich nur einen wirtschaftlichen Nutzen, falls realistische Toleranzwerte festgelegt werden. Unzureichende Kennt­nisse auf dem Gebiet der Toleranzberechnung führen erfahrungsgemäß zur Festlegung unrealistisch kleiner "Angsttoleranzen" und können somit zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil führen, da nur bei maximaler Ausnutzung aller Toleranzen, Produkte kosteneffizient erzeugt werden können. Sie lernen in diesem Seminar anhand von praktischen Beispielen Methoden der arithmetischen und statistischen Toleranzberechnung kennen, die es Ihnen erlauben realistische Toleranzwerte festzule­gen und „Angsttoleranzen“ zu vermeiden.

Das Seminar ist ferner die Grundlage für weiterführende, softwaregestützte, professionelle Tole­ranzanalysen, u. a. zur Ermittlung realistischer Toleranzwerte sowie von Hauptbeitragsleistern auch bei komplexen 3D-Toleranzketten. Zusätzlich zu unseren Seminaren und Beratungen bieten wir Ihnen diese Dienstleistung seit diesem Jahr an. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Homepage auf der Unterseite „Toleranzanalyse“.

Positionstoleranzen und Profiltoleranzen - Intensivseminar mit Praxisworkshop

Die im GPS-Regelwerk der ISO (u. a. ISO 1101) zur Verfügung stehenden 14 geometrischen Merkmale sind weitgehend redundant und lassen sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auf die geometri­schen Merkmale Position (Positionstoleranz) sowie Linienprofil und Flächenprofil (Profiltole­ranz) reduzieren.

Für eine funktional korrekte geometrische Produktspezifikation ist es daher grundsätzlich nicht mehr erforderlich, alle geometrischen Merkmale, wie z. B. Geradheit, Ebenheit, Rundheit, Zylindrizität, Pa­rallelität, Rechtwinkligkeit oder Neigung zu verwenden. Erfahrungsgemäß ist es jedoch in einem zweitägigen Seminar zur dimensionalen und geometrischen Tolerierung aufgrund der begrenzten Zeit nicht möglich, die Logik der geometrischen Tolerierung – unabhängig vom zugrunde liegenden Regelwerk – ausreichend zu vermitteln.

Wurde die elementare Logik des geometrischen Tolerierens (insbesondere die Positionstolerie­rung und die Profiltolerierung sowie die Bezugsbildung) jedoch vollumfänglich verstanden, dann erge­ben sich daraus erfahrungsgemäß eine Vielzahl von Vorteilen, wie zum Beispiel:

  • Erhebliche Vereinfachung von Produktdokumentationen.
  • Signifikante Reduktion von Aufwand und damit verbundener Kosten für Spezifikation und Verifika­tion (Prüfung).
  • Vermeidung potenzieller Fehler in Zusammenhang mit Spezifikation und Verifikation (Prüfung).
  • Vereinfachung der Interpretation von Prüfprotokollen.
  • Einfache und effiziente Kommunikation zwischen den Fachbereichen (z. B. Konstruktion und Quali­tätssicherung) sowie mit Kunden und Lieferanten.

In unserem neuen Seminarformat zu „Positionstoleranzen und Profiltoleranzen“ wollen wir Ihnen an praktischen Beispielen aufzeigen, wie Sie - auch komplexe - Tolerierungsaufgaben auf einfache Weise lösen kön­nen.

 

Gültigkeit und wesentliche Änderungen der neuen ISO 14405-1:2025

Größenmaßspezifikationen und zugehörige lineare Größenmaßelemente
In der zurückgezogenen ISO 14405-1:2016 war nicht klar definiert, für welche Größenmaßelemente ein Operator für ein lineares Größenmaß existiert. Mit ISO 14405-1:2025 sind nunmehr für die folgenden linearen Größenmaßelemente Operatoren festgelegt:

Flächengeometrieelemente:

  • Zylinder
  • Kugel
  • Zwei parallele gegenüberliegende Flächen (Parallelebenenpaar)

Liniengeometrieelemente:

  • Kreis (Schnittelement einer Ebene mit einem Kegel in einem bestimmten Querschnitt sowie beliebi­ger Längsschnitt eines Torus mit einer Halbebene, welche die Achse des Torus beinhaltet).
  • Zwei parallele gegenüberliegende Linien bzw. Parallellinienpaar (beliebiger Längsschnitt zweier pa­ralleler Ebenen oder zweier koaxialer Zylinder bzw. koaxialer Kegel konstanter Dicke, mit einer Halb­ebene, welche die Achse eines mit Hilfe eines optionalen Schnittebenen-Indikators definierten Be­zugs beinhaltet).

Wesentliche Änderungen mit ISO 14405-1:2025
Gegenüber ISO 14405:2016 (zurückgezogen), beinhaltet ISO 14405-1:2025 die folgenden Änderungen:

  • Rangordnungsgrößenmaße werden nunmehr als statistische Größenmaße bezeichnet.
  • Das Spezifikationselement „/0“ zur Kennzeichnung eines beliebigen eingeschränkten Teilbereichs der Länge „0“ eines linearen Größenmaßelements, muss nunmehr mit Hilfe des Modifikators ACS“ (any cross section) spezifiziert werden.
  • Gelten für die untere und für die obere Spezifikationsgrenze unterschiedliche Größenmaßmerk­male, dann müssen diese nunmehr in zwei Zeilen übereinander (gestapelte Spezifikationen für li­neare Größenmaße) angegeben werden. Dem oberen Grenzwert des Größenmaßes ist die Angabe „max.“ und der entsprechende Spezifikationsmodifikator zu ergänzen. Dem unteren Grenzwert des Größenmaßes ist die Angabe „min.“ und der entsprechende Spezifikationsmodifikator zu ergänzen.
  • Die frühere Praxis einen festen eingeschränkten Teilbereich eines linearen Größenmaßelements mit einer breiten Volllinie zu kennzeichnen, ist nicht mehr möglich, da diese Information nur auf der Zeichnung existiert und hinsichtlich digitaler Produktdefinition (insbesondere in Zusammen­hang mit Klassifizierungscode 4 und 5 nach ISO 16792) keine Relevanz mehr hat. Stattdessen ist das Symbol „zwischen“ zu verwenden.
  • Für die Festlegung eines bestimmten Querschnitts eines linearen Größenmaßelements muss der Modifikator „SCS“ (specific cross section) nunmehr grundsätzlich gemeinsam mit einer Quer­schnittskennzeichnung in eckigen Klammern verwenden werden (z. B. SCS[A] oder SCS[A,B,C]). Der Ort des Querschnitts muss mit einem theoretisch exakten Maß angegeben werden.
  • Eindeutige Zuordnung der Spezifikationselemente zum oberen bzw. linken Angabebereich sowie zum rechten Angabebereich der linearen Größenmaßspezifikation. So wird beispielsweise der Ope­rator „CT“ für ein gemeinsam toleriertes lineares Größenmaßelement nunmehr im linken (oder oberen) An­gabebereich spezifiziert.

Für die Reihenfolge der Angabe von Spezifikationselementen einer linearen Größenmaßspezifikation wurde in ISO 14405-1:2025 nunmehr eine eindeutige Reihenfolge (Syntax) festgelegt und zwar wie folgt:

  • Grundlegende Größenmaßspezifikation und falls erforderlich
  • Modifikatoren LS, GG, GN, GX, GC, CC, CA, CV oder die Hüllbedingung,
  • Modifikatoren für die Festlegung eines Teilbereichs („/x“), eines Querschnitts mit Hilfe der Modifi­katoren „SCS“, „ACS“ bzw. eines Schnittebenen-Indikators oder eines Längsschnitts mit Hilfe des Modifikators „ALS“, ergänzt mit einem Schnittebenen-Indikator innerhalb derer die vorgenannten Maßmerkmale gelten müssen,
  • einen Modifikator zur Festlegung eines statistischen Größenmaßes (SX, SN, SA, SM, SD, SR oder SQ),
  • einen Modifikator zur Festlegung eines Filters,
  • ein Richtungsgeometrieelement mit Hilfe eines Richtungselement-Indikators (erforderlich, falls der Wert des linearen Größenmaßes die Längsausdehnung des linearen Größenmaßelements deutlich übersteigt).

Fazit:  Insgesamt schafft die neue ISO 14405-1:2025 Klarheit darüber, für welche linearen Größenma­ßelemente nunmehr ein Operator definiert ist und legt eindeutige Syntaxregeln für eine lineare Größenmaßspezifikation fest, sodass – bei korrekter Anwendung – eine Fehlinterpretation künf­tig weitgehend ausgeschlossen sein sollte.

Ausblick:   In unserem nächsten Infobrief wollen wir Sie über die neue ISO 2768-1 informieren (sobald diese final veröffentlicht wurde).

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Konstruktion. Werkstoffe. Normung.
Prof. Dr.-Ing. Volker Läpple
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