Steinbeis-Beratungszentrum Konstruktion. Werkstoffe. Normung.
Infobrief Januar 2019

Sehr geehrte Kunden, sehr geehrte Abonnenten unseres Infobriefs, 
wir hoffen, Sie hatten einen guten Start ins neue Jahr 2019. Das vor uns liegende Jahr wird im Hinblick auf die Toleranznormen, unter anderem aus dem ISO-GPS-Normensystem, eine Reihe von Veränderungen mit sich bringen. Zu erwähnen ist insbesondere die für Ende diesen Jahres geplante Zurückziehung von ISO 2768-1 und -2. Die Gründe für die Zurückziehung dieser "historischen" Norm haben wir Ihnen am Ende dieses Infobriefes zusammengestellt.

Die weitere Verwendung von ISO 2768-1 bzw. -2 nach deren Zurückziehung sollte aufgrund der Mehrdeutigkeiten sowie der Tatsache, dass die zulässige Abweichung des gefertigten Bauteils von seiner nominellen (idealen) Gestalt nicht vollständig beschrieben wird, zwingend vermieden werden. Auch wird die geplante Nachfolgenorm ISO 22081 nicht mehr der "Logik" von ISO 2768-1 bzw. -2 folgen.

Um nach der Zurückziehung von ISO 2768-1 und -2 die Bauteilgeometrie vollständig und eindeutig zu beschreiben und somit rechtssichere Produktspezifikationen zu erstellen, ist die konsequente Anwendung dimensioneller und geometrischer Toleranzen auf Basis ISO GPS nicht mehr verhandelbar. Eine praktikable und einfache Alternative für die Tolerierung aller nicht funktioneller Geomet­rieelemente ist beispielsweise die Spezifikation einer "allgemeinen Profiltoleranz". Erste Informationen zur Spezifikation einer "allgemeinen Profiltoleranz" haben wir nachfolgend in diesem Infobrief für Sie zusammengestellt.

Einer der Schwerpunkte unseres nächsten offenen Basisseminars zu "Form- und Lagetolerie­rung" in unserem Seminarzentrum in Stuttgart am 13. und 14.02.2019 (zur Seminarbeschreibung) soll Ihnen die unterschiedlichen Möglichkeiten einer all­gemeinen Profiltolerierung sowie deren Vor- und Nachteile erläutern. Basierend auf diesen Informationen sollten Sie dann in der Lage sein, für Ihre eigenen Bauteile die richtigen Festle­gungen unter Verzicht auf ISO 2768-1 und -2 (oder vergleichbare Normen zur Allgemeintolerierung) zu treffen. Wir haben Ihnen nachfolgend einige Lösungsansätze zusammengestellt, die wir im Seminar anhand von Beispielen besprechen und deren Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen wollen.

Falls Ihr Produktportfolio Kunststoff-Formteile enthält, wollen wir Sie darauf aufmerksam machen, dass seit September 2018 die neue ISO 20457 (Plastic moulded parts - Tolerances and acceptance conditions) als Nachfolgenorm zu DIN 16742:2013 veröffentlicht wurde. In unserem offenen Seminar "Kunststoffformteile fehlerfrei entwickeln und tolerieren" ebenfalls in unserem Seminarzentrum in Stuttgart am 06. und 07.03.2019 (zur Seminarbeschreibung) wollen wir als einer der Seminarschwerpunkte auf die neue ISO 20457:2018, deren Unterschiede zu ISO 16742:2013 sowie die Grenzen der Anwendbarkeit ausführlich eingehen. In unserem nächsten Infobrief erhalten Sie hierzu weitere Informationen.

Nachfolgend nun erste Informationen zur Spezifikation einer "allgemeinen Profiltoleranz" anstelle der Vereinbarung einer mehrdeutigen Allgemeintoleranz, wie z. B. ISO 2768-1 und -2.

Wie Sie wissen, waren Allgemeintoleranzen für Kunststoff-Formteile bis 2009 in DIN 16901 festgelegt. Die Norm wurde bereits 1973 veröffentlicht und 1982 letztmals überarbeitet. DIN 16901 wurde im Oktober 2009 ersatzlos zurückgezogen, da sie:

  1. nicht mehr den Stand der Technik auf dem Gebiet der Formteilentwicklung repräsentiert hat, 
  2. nicht mehr den Anforderungen der Praxis an die Maßhaltigkeit von Kunststoff-Formteilen gerecht wurde, 
  3. nicht mit dem ISO-Toleranzsystem (ISO 286-1) kompatibel war.

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Konstruktion. Werkstoffe. Normung.
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