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Allgemeine Infos zum Forum

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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Diskussionsforum eine Plattform zur Verfügung stellen, Ihre Fragen und „Tolerierungsprobleme“ zu diskutieren. Möglicherweise finden Sie auch in den bereits bearbeiteten Forenbeiträgen die Antwort auf eine Ihrer Fragestellungen.

Wir hoffen, dass dieses Diskussionsforum einen regen Erfahrungsaustausch initiiert und zu einer schnellen Beantwortung Ihrer Fragen führt. Hier können Sie sich für das Forum registrieren.

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2 Passbohrungen als gemeinsamer Bezug

Hallo!

Die 2 Passbohrungen (Ø5H7 E im Kreis) sollen als gemeinsamer Bezug B dienen. Hier ist der Toleranzindikator (Position/Ø0,05/A) angezogen. Muss dies mit dem zweiten Toleranzindikator (Position/Ø0,02CZ/A) wie dargestellt eingeschränkt werden oder kann dieser komplett entfallen oder nur das CZ entfallen?

Bye Bleistift!

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Bleistift
Mitglied seit 04. 05. 2018
7 Beiträge

Hallo,
ich meine der Indikator "CZ" ist nicht nötig.
Beide Toleranzzonen stehen rechtwinklig zu "A" und am theoretisch genauen Ort.
Wobei die TED's fehlen(?)
Frage:
Die Bezüge "Y" und "Z" sollen wirklich aus den extrahierten Mittelebenen gebildet werden?

HaraldHaefner
Mitglied seit 15. 02. 2018
15 Beiträge

Hallo "Bleistift",
die erste Spezifikation (Dmr. 0,05 mm) legt zwei zum Bezugssystem ortsfeste Toleranzzonen fest (alle rotatorischen und translatorischen Freiheitgrade zwischen den Situationselementen des Bezugssystems und der Toleranzzonen sind blockiert).

Die zweite Spezifikation (Dmr. 0,02 mm) ist eine Einschränkung. Wird der Modifikator „CZ“ nicht spezifiziert, sind gemäß dem Grundsatz der Unabhängigkeit (siehe ISO 8015) die beiden Toleranzzonen mit Dmr. 0,02 mm voneinander unabhängig und ihre Freiheitsgrade werden nur extern durch den Bezug „A“ blockiert. Somit hätte die Spezifikation dieselbe Bedeutung wie die Rechtwinkligkeit. Erst durch den Modifikator werden auch zwischen den Situationselementen der Toleranzzone [u]interne[/u] Nebenbedingungen der Richtung und des Ortes (mit CZR nur der Richtung) festgelegt, d. h. ein Toleranzzonenmuster gebildet. Letzteres dürfte den funktionellen Anforderungen entsprechen.

[u]Hinweis 1:[/u]
1. Diese Regel gilt erst seit Einführung von ISO 5458:2018. Zuvor (zurückgezogene und im Widerspruch zu diesem Grundsatz stehende ISO 5458:1998) hätten die beiden Toleranzzonen auch ohne den Modifikator „CZ“ ein Toleranzzonenmuster gebildet.

2. Bei Verwendung der MMR oder LMR am tolerierten Geometrieelement ist nach derzeitiger ISO 2692:2015 (siehe dort Regel D, Anmerkung 4 für MMR und Regel K, Anmerkung 4 für LMR) kein Modifaktor „CZ“ möglich, da die Situationselemente der virtuellen Zustände grundsätzlich hinsichtlich Richtung und Ort zueinander blockiert sind (steht jedoch im Widerspruch zum „Grundsatz der Unabhängigkeit“).

3. Bei ASME-codierten Produktspezifikationen (z. B. ASME Y14.5-2009) gilt der „Grundsatz der simultanen Anforderungen (siehe ASME Y14.5-2009, Kapitel 4.19), sodass dort die Toleranzzonen ohne weitere Kennzeichnung stets ein Toleranzzonenmuster bilden.

4. Die Spezifikation von TED's ist nicht zwingend erforderlich, da sie die Tolerierung (Blockieren von Freiheitsgraden) nicht beeinflussen können. Werden TED's nicht visualisiert, muss die Information aus einer anderen Datenqelle stammen (z. B. Hinweis auf die Existenz eines CAD-Datensatzes).

[u]Hinweis 2:[/u]
Aus den beiden Bohrungen einen gemeinsamen Bezug „B-B“ zu bilden ist möglich, aber nicht immer funktionsgerecht. Dies würde nur dann den funktionellen Anforderungen entsprechen, falls auch am Gegenstück zwei zylindrische Bohrungen existieren würden (wäre aber konstruktiv nicht notwendig und sinnvoll). In der Regel dürfte eines der beiden Geometrieelemente am Nachbarbauteil ein (schwach ausgeprägtes) Langloch sein. Demensprechend können die translatorischen Freiheitsgrade (zumindest in horizontaler Richtung) der zu „B-B“ tolerierten Geometrieelemente nur zu der Bohrung blockiert werden, die am Nachbarbauteil eine zylindrische Bohrung aufweist. Die beiden Bohrungen müssten dementsprechend mit zwei Bezugsbuchstaben benannt werden (z. B. „B“ und „C“) und die Bezugsspezifikation müsste lauten: A | (B-C)[DV][PL]| B wobei „B“ diejenige Bohrung ist, die am Nachbarbauteil eine zylindrische Bohrung aufweist. Ich werde zu dieser häufig nicht beachteten Problematik in Kürze ein Praxisbeispiel auf der Homepage einstellen (unter Downloads > Praxisbeispiele).

Beste Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
87 Beiträge