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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Diskussionsforum eine Plattform zur Verfügung stellen, Ihre Fragen und „Tolerierungsprobleme“ zu diskutieren. Möglicherweise finden Sie auch in den bereits bearbeiteten Forenbeiträgen die Antwort auf eine Ihrer Fragestellungen.

Wir hoffen, dass dieses Diskussionsforum einen regen Erfahrungsaustausch initiiert und zu einer schnellen Beantwortung Ihrer Fragen führt. Hier können Sie sich für das Forum registrieren.

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Auswertemethode Spezifikationsoperator (GG) nach ISO 14405

Hallo zusammen,

in unseren Unternehmen herrscht Uneinigkeit darüber, wie Spezifikationsoperatoren nach DIN EN ISO 14405-1:2011-04 in einen speziellen Fall auszuwerten sind. So wurde z.B. geäußert, dass der Innendurchmesser eines O-Ring ähnlichen Teils, aus beispielsweise 600 "Einzelmessungen" ermittelt werden müsste. Anschließend würden diese 600 Einzelwerte natürlich mittels der Methode der kleinsten Quadrate zu einen Durchmessermaß ausgeglichen. Das Teil wird im Übrigen mit dem Spritzgussverfahren hergestellt und es handelt sich um ein Elastomere. Es wird im freien Zustand lediglich unter Einfluss der Schwerkraft gemessen und ist nicht formstabil.

Meine Frage zu solchen Behauptungen wären:

- [u]Ist in einer Norm genauer spezifiziert wie viele "Einzelmessungen" etc. z.B. bei Maßen mit (GG) vorgenommen & ausgewertet werden müssen? Mir erscheint diese Zahl äußerst hochgegriffen.[/u]
- Gängige bspw. optische Messverfahren sind doch in der heutigen Zeit sicherlich in der Lage, Geometrieelemente wie Durchmesser auch mit solchen Operatoren einfach auszuwerten?

Mein Problem mit solchen Aussagen ist nämlich, dass Kollegen schnell verunsichert werden und annehmen die Eintragung eines solchen Zusatzes würde zu einer unermesslichen Kostenexplosion führen. Dabei ist der Zusatz (GG) im konkreten Beispiel funktionsrelevant und erlaubt einen vergleichsweise unförmigen Ring, welcher sich im nachhinein sowieso auf ein formstabileres Formteil aufspannt. (Kostenoptimierung)

Für Antworten hierzu wäre sich sehr dankbar.

Uhlig_A
Mitglied seit 15. 08. 2016
5 Beiträge

Hallo,
die Anzahl der Messpunkte bei der Erfassung eines Geometrieelements bzw. die Extraktion der Anzahl von Datenpunkten ist in ISO GPS nicht vorgegeben und u. a. abhängig vom Spezifikationsoperator (siehe u. a. auch ISO 17450-1).

So sind beispielsweise für die Auswertung eines Gauss-Größenmaßes deutlich weniger Datenpunkte erforderlich, um ein reproduzierbares Messergebnis zu erhalten, im Vergleich zum Zweipunktgrößenmaß. Beim Zweipunktgrößenmaß muss sichergestellt werden, dass annähernd gegenüberliegende Messpunkte im Sinne von ISO 17450-3 vorliegen. Bei einer zu geringen Anzahl an Messpunkten müsste zwischen den verfügbaren Datenpunkten interpoliert werden, wodurch das Messergebnis zunehmend verfälscht wird.

Weiterhin ist in ISO GPS die Anzahl der Messstellen nicht vorgegeben. Eine GPS-Spezifikation gilt - falls keine Einschränkungen vorgenommen wurden - am gesamten Geometrieelement, da unterstellt werden muss, dass bei einer örtlichen Nicht-Einhaltung der Spezifikation, die Funktion nicht mehr gewährleistet ist.

Beste Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
87 Beiträge

Guten Tag,

ich würde die Frage gern noch einmal aufgreifen.

In meinem Falle liegt eine Spezifikation (SR) vor. Da für den betroffenen Durchmesser keine weitere ANgabe vorherrscht, wird hier also das Zweipunktverfahren angewendet.
Nun gibt es ja normativ keine Festlegungen.

Bei der Diskussion / Argumentation mit dem Kunden habe ich letzendlich angeführt, dass hier nur der Fachverstand der (in diesem Falle) Messtechniker bzw. die ABsprache der Fachabteilungen das Thema lösen kann. D.h. man muss die Anzahl der Messungen so festlegen, dass man sich sicher ist, die Geometrie am "besten und vollständigsten" erfasst zu haben. Dies hängt ja natürlich stark vom zu Grunde liegenden Fertigungsverfahren ab. (Drehen --> Gleichdick, Spritzguss --> Verzug)

Kann man diese Argumentation so stehen lassen, unter der Annahme, das wenn es hier zur Eskalation kommen würde, man keine "rechtlichen Probleme" bekommt, weil es anderweitige Festlegungen (in der Normung) gibt.

Vielen Dank
Gruß
Marcus G

MarcusG80
Mitglied seit 17. 03. 2017
6 Beiträge

Hallo,
das ist korrekt. Letztlich liegt es im Ermessen der beweisführenden Partei, das Geometrieelement vollständig zu erfassen und auszuwerten. Aus wirtschaftlichen und gerätetechnischen Gründen wird dies aber nicht möglich sein. Der Verifikationsoperator kann daher dem Spezifikationsoperator (Zeichnungsvorgabe) nur angenähert werden. Erfahrungen mit ähnlichen Bauteilen oder das Wissen um den Fertigungsprozess können hierbei hilfreich sein. Ob letztendlich aus vertragsrechtlicher Sicht Probleme bei nicht vollständiger Erfassung/Auswertung des Geometrieelements zu erwarten sind, ist nicht vorhersagbar. Wichtig ist, dass bei der messtechnischen Auswertung der aktuelle Stand der Technik berücksichtigt wurde.

Beste Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
87 Beiträge