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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

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Angabe CZ bei der Positionierung von Bohrungen!

Hallo,

ich bin über eine Frage gestolpert, bei der ich etwas hilfe benötige. Im Anhang habe ich ein bemaßtes Teil angehängt welches aus den Unterlagen von Herrn Läpple stammt.

Frage: Welchen Unterschied würde es machen, wenn an der Position zu den Bohrungen 18H7 zusätzlich CZ mit angegeben werden würde. Oder anders ausgedrückt, für welchen Anwendungsfall könnte es Sinn machen, dass CZ zusätzlich mit anzugeben.

Die Angabe 2x Bezug B bedeutet das der Bezug B aus mehreren Elementen, in diesem Fall zwei Bohrungen gebildet wird. Soweit so gut. ich habe jetzt normalerweise das CZ mit rein geschrieben. Damit wollte ich zusätzlich die Positionierung der Bohrungen unter einander angeben. Also das die Bohrungen zueinander ebenfalls in einer gemeinsamen Toleranzzone liegen müssen.

In dem Beispiel (siehe Anhang), hätte ich also auch CZ mit angegeben. jetzt frage ich mich aber ob das überhaupt einen Unterschied machen würde und ob das 2xB nicht ausreicht bzw. das gleiche bedeutet.

@Herr Läpple: In der Toleranzschulung haben Sie bei der Positionierung auch beides gleichzeitig verwendet. In den Schulungsunterlagen habe ich ein solches Beispiel nicht mehr wieder finden können.

Viele Grüße

Sebastian Bodien

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Sebastian1977
Mitglied seit 12. 07. 2016
5 Beiträge

Ich habe mal eine Zeichnung ran gehangen um die es konkret geht. Wie ist die Zeichnung mit und ohne der Angabe "CZ" zu interpretieren. Ich hoffe man kann etwas erkennen, es ist nur ein Screenshot vom Bildschirm und hoffentlich nicht zu verpixelt.

Funktion: Platte nimmt einen Pneumatikzylinder auf und wird rechtwinklig an die Grundplatte (Hauptplatte) geschraubt. Die Stiftbohrungen 6H7 richten die Platte aus und positionieren diese.

Variante 1 (ohne CZ):

Die Bohrungen sind senkrecht auf A referenziert. Der nächste Bezug wird mit 2xB aus den beiden Bohrungen 6H7 gebildet. Das Maß zur Außenfläche beträgt 12,5. Der Abstand der Bohrungen zueinander beträgt 50.

Frage: Bezieht sich die gemeinsame Toleranzzohne (2xB) auch auf die beiden Bohrungen 6H7 (Positionierung zueinander), bzw. hat es Auswirkungen auf diese? Oder sagt die Angabe 2xB ausschließlich aus, dass wenn sich etwas anderes auf B bezieht, der Bezug aus mehren Bohrungen gebildet wird.

Das würde bedeuten, dass für die 50 die 0,02 aus der Positionstoleranz gelten. Der Abstand zu Außenfläche aber jeweils für sich selbst unabahängig voneinader gemessen werden. Das würde dann für die zusätzliche Verwendung von der Angabe "CZ" sprechen. Nämlich wenn man möchte das die beiden Bohrungen auch innerhalb einer gemeinsamen Toleranzzone liegen und mit dieser zu der Außenfläche Positioniert sein sollen.

Variante 2 mit "CZ":

Steckt schon in der vorherigen Frage mit drin. Wie muss ich es interpretieren, wenn das "CZ" mit angegeben wird (Siehe Zeichnung im Anhang).

Würde das bedeuten, dass nicht jede Bohrung für sich zur Außenfläche gemessen wird, trotz der Positionierungsangabe inkl. 2xB (ohne CZ), sondern ich zusätzlich eine Ebene aus den beiden Bohrungen bilde und diese zur Außenfläche messe.

Ich hoffe es ist halbwegs nachvollziehbar was ich meine und worüber ich stolpere.

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Sebastian1977
Mitglied seit 12. 07. 2016
5 Beiträge

Hallo Herr Bodien,
Sollen die Toleranzzonen von zwei oder mehreren individuellen (getrennten) Geometrieelementen miteinander verbunden werden, d. h. für zwei oder mehrere getrennte Geometrieelemente gemeinsam gelten, dann muss das Spezifikationselement „CZ“ ("combined zone" ) im Toleranzindikator angegeben werden. Die mit dem Spezifikationselement “CZ” "verbundenen" Toleranzzonen sind untereinander hinsichtlich Richtung und Ort durch implizite (0°, 90°, 180°, 270°, 0 mm) und/oder explizite theoretisch genaue Maße beschränkt. Wird das Spezifikationselement „CZ“ nicht verwendet, dann sind die Toleranzzonen unabhängig voneinander.

Das Spezifikationselement “CZ” für die kombinierte Toleranzzone kann unter anderem dann entfallen, falls die Situationselemente der Toleranzzonen durch ein Bezugssystem vollständig eingeschränkt werden, d. h. falls alle (blockierbaren) translatorischen und rotatorischen Freiheitsgrade durch die Bezüge blockiert werden.

In vorliegendem Beispiel ist bei der Positionstoleranz für die beiden Bohrungen (Ø18 H7) keine gemeinsame Zone spezifiziert, so dass die extrahierten mittleren Linien der beiden Bohrungen lediglich innerhalb zweier zylinderförmiger Toleranzzonen liegen müssten, die senkrecht sind zum Bezug "A". Die Positionstoleranz wäre also in diesem Fall gleichbedeutend mit der Rechwinkligkeit. Dies würde konstruktiv kaum Sinn machen.

Die o. g. Festlegung tritt explizit jedoch erst in Kraft, u. a. mit der Einführung der neuen ISO 5458:2017. Derzeit gilt jedoch noch ISO 5458:1998 und legt bei Mustern, die aus zwei oder mehreren gleichen Geometrieelementen bestehen und in der dargestellten Weise toleriert werden fest, dass ihre Toleranzzonen auch ohne das "CZ"-Symbol untereinander hinsichtlich Richtung und Ort eingeschränkt sind. Diese Festlegung in ISO 5458:1998 steht jedoch nicht in Einklang mit dem "Grundsatz des Geometrieelements" gemäß ISO 8015. Unter anderem deshalb wird ISO 5458:1998 in Kürze zurückgezogen, d. h. durch ISO 5458:2017 ersetzt.

Konsequenz: Spätestens mit der Einführung der neuen ISO 5458 muss das Spezifikationselement "CZ" in der Zeichnung ergänzt werden.

Ihr Zeichnungsbeispiel ist korrekt. Die extrahieren Mittellinien der beiden Bohrungen (Ø6 H7) müssen innerhalb zweier zylinderföriger Toleranzzonen vom Abstand 50 mm liegen, die senkrecht sind zu "A". Lediglich die Lage der Bohrungen zum Bauteil (oder umgekehrt) sollte noch ergänzt werden. Da A | B-B ein vollständiges Bezugssystem darstellt, d. h. alle Freiheitsgrade der Situationselemente der auf dieses Bezugssystem referenzierten Toleranzzonen blockieren, ist für die Bohrungen mit Ø9 mm kein "CZ" erforderlich.

Beste Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
88 Beiträge

Hallo Herr Läpple,

eine kurze Frage zur "ISO 5458:2017". Ist diese Fassung inzwischen offiziell in kraft getreten?

Viele Grüße

Sebastian Bodien

Sebastian1977
Mitglied seit 12. 07. 2016
5 Beiträge

Hallo Herr Bodien,
von ISO 5458 gibt es derzeit nur den Normentwurf. Die finale Veröffentlichung dürfte erst in 2018 erfolgen.

Besten Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
88 Beiträge

Hallo Herr Läpple,

ich benutze bei dem Aufbau eines Bezugsystems generell das "CZ" bei der Positionierung von Stiftbohrungen, welche mir als Bezug B dienen. Also eine Grundfläche A auf der befinden sich senkrecht die beiden Stiftbohrungen die mit 2xB alle Freiheitsgrade einschränken. So wie in den hier schon diskutierten Beispielen.

Die Norm die das "CZ" vorschreibt, wenn zwei Geometrien die gleiche Toleranzzone haben sollen, ist ja noch garnicht frei gegeben.

Ist es denn dann falsch, wenn ich es benutze?

Kann ich es tatsächlich mit der im Moment gültigen Norm weg lassen und die Bohrungen haben trotzdem eine gemeinsame Toleranzzone?

Ich arbeite im Moment in einer Firma wo ich jetzt allen erzählt habe das das "CZ" in diesem Zusammenhang normgerecht ist und angewendet werden darf.

Viele Grüße

Sebastian Bodien

Sebastian1977
Mitglied seit 12. 07. 2016
5 Beiträge

Hallo,

ich muss da nochmal nachhaken. Mich beschäftigt immer noch die Frage, ob ich das CZ für das Positionieren von Bohrungen anwenden kann, obwohl die entsprechende Norm noch nicht in Kraft getreten ist.

Aktuell in Kraft: ISO 5458:1998 (kein CZ erforderlich)

zukünftige Norm: ISO 5458:2017 (CZ zwingend erforderlich)

Meine Argumentation im Moment ist, dass es nicht falsch ist das CZ anzugeben, es aber im Moment noch nicht pflicht ist.

Viele Grüße

Sebastian Bodien

Sebastian1977
Mitglied seit 12. 07. 2016
5 Beiträge