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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Diskussionsforum eine Plattform zur Verfügung stellen, Ihre Fragen und „Tolerierungsprobleme“ zu diskutieren. Möglicherweise finden Sie auch in den bereits bearbeiteten Forenbeiträgen die Antwort auf eine Ihrer Fragestellungen.

Wir hoffen, dass dieses Diskussionsforum einen regen Erfahrungsaustausch initiiert und zu einer schnellen Beantwortung Ihrer Fragen führt. Hier können Sie sich für das Forum registrieren.

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Hüllbedingung für Wandstärken dünnwandiger Teile

Im Anhang befindet sich eine Zeichnung, für die ein generelles
ISO 14405-E im Schriftfeld eingetragen ist.

Müsste an dem abgebildeten Teil die Hülle auch für die
3 verschiedenen Wandstärken geprüft werden oder nur für die Ø?

Es erscheint mir nicht sinnvoll, eine Hüllbedingung für eine Wandstärke zu prüfen, weil sie nur durch mehrteilige Lehren prüfbar wäre und es auch kaum vorstellbar ist, dass jemand etwas um die Wandstärke herum fügen möchte.
In der ISO 14405 E steht allerdings nirgends ausdrücklich geschrieben, dass die Hüllbedingung nicht für Wandstärken an dünnwandigen Teilen gilt.

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frank
Mitglied seit 03. 08. 2015
3 Beiträge

Sehr geehrte Frau Frank,
vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Entsprechend der Spezifikation („Hüllprinzip“) muss die Hüllbedingung grundsätzlich für alle (linearen) Größenmaßelemente am Bauteil eingehalten werden. Dies gilt dann selbstverständlich auch für die drei spezifizierten Wanddicken, unabhängig davon, ob dies funktionell sinnvoll ist oder nicht.

Am Beispiel des zylindrischen Teils ist dann beispielsweise nachzuweisen, dass für den inneren Durchmesser sich Material nur außerhalb eines geometrisch idealen Zylinders mit einem Durchmesser von 15,94 mm befindet und das Zweipunktmaß an keiner Stelle 16,02 mm überschreitet. Entsprechendes ist auch für den äußeren Durchmesser nachzuweisen. Hier ist allerdings noch zu klären, welche Toleranzgrenzen anzusetzen (maßgeblich) sind, da sich das Mindest- und das Höchstmaß des äußeren Durchmessers aus dem tolerierten Innendurchmesser [u]und[/u] der tolerierten Wandstärke zusammensetzt.

Es tritt allerdings noch ein ganz anderes Problem in Zusammenhang mit der Hüllbedingung auf. Da es sich vermutlich um ein Tiefziehteil (mit Formschrägen) handelt und die Hüllbedingung gemäß Spezifikation auf die gesamte Länge des Bauteils anzuwenden ist, muss der geometrische Einfluss der Formschräge mit berücksichtigt werden: Angenommen, der innere Durchmesser befindet sich an seinem unteren Ende auf Maximum-Material Maß (Durchmesser 15,94 mm), dann würde das zulässige Zweipunktmaß an seinem oberen Ende (etwa 39 mm vom Boden entfernt) bereits bei einer Formschräge von weniger als 0,06° überschritten. Da der tatsächliche Winkel der Formschräge größer sein dürfte, ist es vermutlich technologisch überhaupt nicht möglich, an diesem Geometrieelement die Hüllbedingung überhaupt einzuhalten.

Falls jedoch aus der Spezifikation klar hervorgeht, dass es sich nicht um ein zylindrisches Geometrieelement, sondern (bedingt durch die Formschrägen) um einen Kegel handelt (siehe ISO 10135), dann ist darauf die Hüllbedingung nicht anwendbar (da es sich nicht mehr um ein lineares Größenmaßelement handelt).

Es ist empfehlenswert, das „Hüllprinzip“ grundsätzlich nicht als „Tolerierungsgrundsatz“ für alle lineare Größenmaßelemente zu vereinbaren, sondern die Hülle nur dort zu spezifizieren, wo dies funktionell zwingend erforderlich ist (in der Regel nur sehr wenige Geometrieelemente am Bauteil).

Beste Grüße

V. Läpple

volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
87 Beiträge