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Allgemeine Infos zum Forum

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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Diskussionsforum eine Plattform zur Verfügung stellen, Ihre Fragen und „Tolerierungsprobleme“ zu diskutieren. Möglicherweise finden Sie auch in den bereits bearbeiteten Forenbeiträgen die Antwort auf eine Ihrer Fragestellungen.

Wir hoffen, dass dieses Diskussionsforum einen regen Erfahrungsaustausch initiiert und zu einer schnellen Beantwortung Ihrer Fragen führt. Hier können Sie sich für das Forum registrieren.

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Geometrische Toleranz auf die Zeichnung bringen

Hallo alle zusammen

Ich lade hier jetzt mal eine Zeichnung hoch, um darüber zu diskutieren. In erster Linie interessiert mich, ob die Geometrische Tolerierung richtig platziert ist.
Das Bauteil ist eine Hülse mit einem Gewinde, welche irgendwo eingedreht wird. Der "Schraubendreher" dazu hat die selben halbrunden Geometrien, um die Hülse einzudrehen.

Was meint ihr dazu?

Freundliche Grüsse
Mathias Mosimann

Mosimann
Mitglied seit 01. 12. 2014
4 Beiträge

Hallo Administrator

Wie kann ich ein PDF hochladen?

Freundliche Grüsse
Mathias Mosimann

Mosimann
Mitglied seit 01. 12. 2014
4 Beiträge

Hallo Herr Mosimann,

vielen Dank für den Hinweis - PDF-Dateien hatten in der Liste zulässiger Dateierweiterungen tatsächlich noch gefehlt.

Ab sofort können max. 3 Dateien mit je 2 MB und den folgenden Dateiendungen hochgeladen werden:

bmp, gif, png, jpg, jpeg, tiff, psd, pdf

Zu Testzwecken das aktuelle Seminarangebot im Anhang.

Viele Grüße
Stephan Bogusch
Administrator

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webmaster
Mitglied seit 15. 10. 2010
4 Beiträge

Vielen herzlichen Dank Herr Bogusch
Die PFD Datei kann direkt angesehen werden es funktioniert wunderbar. Somit kann ich nun auch meine Zeichnung hohladen.

Freundliche Grüsse
Mathias Mosimann

Mosimann
Mitglied seit 01. 12. 2014
4 Beiträge

Hier nun meine Zeichnung

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784 heruntergeladen
Mosimann
Mitglied seit 01. 12. 2014
4 Beiträge

Hallo Herr Mosimann

Wir haben ihre Zeichnung angeschaut und ein paar Anpassungen vorgenommen (siehe Anhang).

Grundsätzlich ist zu sagen, dass aus unserer Sicht die Bezugsbildung nicht ideal oder sogar falsch ist.

Gemäss ISO 5459:2011 müssen Bezüge funktionsgerecht festgelegt werden, da sie in der Regel die Schnittstelle zum angrenzenden, als theoretisch genau angenommenen Nachbarteil simulieren.

Da wir die genaue Funktion des Bauteils nicht kennen, haben wir neu die Achse des Durchmessers Ø66 als Basis A genommen, um eine eindeutige Basis zu erhalten.
Auch die Basen B und C haben wir umplatziert oder weggenommen.

Ich denke wir haben mit der aufgezeigten Tolerierung eine gute Lösung gefunden, ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Beste Grüsse
Sandro Targa

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targa
Mitglied seit 11. 11. 2014
5 Beiträge

Hallo Herr Mosimann,
nachfolgend zwei Tolerierungsbeispiele auf Basis der vorhandenen Informationen (siehe auch beigefügtes Bild).

Variante 1:

[u]Bezug A:[/u]
Das assoziierte Geometrieelement ist ein idealer Zylinder mit veränderlichem Durchmesser. Die Anpassung an das nicht ideale Bezugselement erfolgt von außerhalb des Materials. Der größte senkrechte Abstand zum assoziierten Zylinder zwischen diesem und dem Bezugselement muss minimiert werden (vereinfacht: Bildung des Pferchzylinders). Der Bezug ist das Situationselement des assoziierten Zylinders, also eine Gerade (Zylinderachse).

[u]Nenngeometrieelement:[/u]
Die (geometrisch ideale) Nenngeometrie setzt sich aus sechs idealen Zylindersegmenten zusammen, deren Geometrie und gegenseitige Lage durch die theoretisch genauen Längen- und Winkelmaße (5xR1; R2; 5x1,8 und 2,8 mm sowie 60°) festgelegt sind (Nenngeometrieelemente).

Da ein Bezug (A) spezifiziert ist, werden durch das Situationselement des Bezugs (Gerade bzw. Zylinderachse) Freiheitsgrade des Nenngeometrieelements bzw. der Toleranzzone eingeschränkt. Die geometrisch ideale (nominelle) Fläche die zur Bezugsbildung verwendet wird, gehört zur zylindrischen Invarianzklasse, d. h. das Nenngeometrieelement bzw. die Toleranzzone können relativ zum Situationselement des Bezugs nur noch eine Translation längs und eine Rotation um diese Achse ausführen. Alle anderen Freiheitsgrade der kombinierten Toleranzzone sind blockiert. Dies bedeutet, dass das Nenngeometrieelement (sechs Zylindersegmente wie oben beschrieben) parallel zur Bezugsachse und zu dieser "mittig" ausgerichtet sein muss, d. h. die sechs Mittelachsen der Zylindersegmente sind parallel zur Bezugsachse und zwischen Bezugsachse und den entsprechenden Achsen der Zylindersegmente müssen die TED-Abstände 1,8 mm und 2,8 mm eingehalten werden.

[u]Toleranzzone:[/u]
Die reale (extrahierte) Oberfläche des gefertigten Werkstücks muss im Bereich der sechs Zylindersegmente zwischen zwei zur (geometrisch idealen) Nenngeometrie äquidistanten Flächen liegen. Diese Flächen hüllen Kugeln vom Durchmesser 0,05 mm ein, deren Mittelpunkte auf der Nenngeometrie liegen.

[u]Anmerkung:[/u]
Da die spezifizierte Profiltoleranz nicht für jedes Zylindersegment einzeln gelten soll (dies wäre standardmäßig aufgrund des Unabhängigkeitsprinzip in ISO 8015:2011 so vereinbart) wird eine kombinierte Toleranzzone (CZ) festgelegt. Die sechs nunmehr miteinander verbundenen Toleranzzonen sind somit durch die angegebenen TED's (theoretisch genaue Längen- und Winkelmaße) untereinander in Richtung und Ort eingeschränkt.

Variante 2:[/b]

[b]Profiltoleranz 0,02 mm
Da das Zylindersegment mit einem Radius von 2 mm zur Bezugsbildung für die fünf anderen Zylindersegmente (Radius 1 mm) verwendet wird, ist zunächst eine Tolerierung dieses Elements hinsichtlich seiner Form sowie seiner Lage zum Bauteil erforderlich.

[u]Bezug A:[/u]
Wie oben beschrieben.

[u]Nenngeometrieelement:[/u]
Die Nenngeometrie ist ein ideales Zylindersegment mit einem Radius von 2 mm (Nenngeometrieelement).

Da ein Bezug (A) spezifiziert ist, werden durch das Situationselement des Bezugs (Gerade bzw. Zylinderachse) Freiheitsgrade des Nenngeometrieelements bzw. der Toleranzzone, wie unter Variante 1 bereits beschrieben, eingeschränkt, d. h. die Achse des Zylindersegments muss parallel zur Bezugssachse sein und zu dieser einen TED-Abstand von 1,8 mm aufweisen.

[u]Toleranzzone:[/u]
Die reale (extrahierte) Oberfläche dieses Zylindersegments muss zwischen zwei zur (geometrisch idealen) Nenngeometrie äquidistanten Flächen liegen. Diese Flächen hüllen Kugeln vom Durchmesser 0,02 mm ein, deren Mittelpunkte auf der Nenngeometrie liegen.

Falls die Profilformtoleranz des Zylindersegments kleiner sein muss als 0,02 mm, dann muss eine zusätzliche (einschränkende) Profiltoleranz (Toleranzwert kleiner 0,02 mm und kein Bezug) spezifiziert werden.

Profiltoleranz 0,05 mm[/b]

[u]Bezugssystem aus den Bezügen A und B:[b][/u]
Das Bezugssystem wird wie folgt gebildet:
1. Zur Bildung des primären Bezugs wird ein idealer Zylinders mit veränderlichem Durchmesser an das nicht ideale Bezugselement, wie oben beschrieben, angepasst. Der primäre Bezug ist die Zylinderachse.

2. Zur Bildung des sekundären Bezugs wurde eine "bewegliche Bezugsstelle" in Form eines idealen Zylinders mit einem Durchmesser von 4 mm und einer Länge von 15 mm gewählt. Die mittlere Gerade des graphischen Symbols der beweglichen Bezugsstelle gibt die Bewegungsrichtung an, also radial zur Bezugsachse "A".

Da in einem Bezugssystem der primäre Bezug dem sekundären Bezug Nebenbedingungen der Richtung auferlegt, muss (in diesem Beispiel) die Achse dieses "beweglichen" Zylinders parallel zur primären Bezugsachse "A" sein. Es wird also ein Zylinder mit TED-Durchmesser 4 mm dessen Achse parallel zur Bezugsachse "A" ist radial nach außen bewegt. Der sekundäre Bezug ist die Achse dieses Zylinders.

Das Bezugssystem wird durch die Situationselemente der Kollektion der beiden parallelen Zylinder (wie oben beschrieben) gebildet. Die Kollektion der beiden Zylinder gehört zur prismatischen Invarianzklasse und die Situationselemente sind eine Ebene (aufgespannt durch die beiden Zylinderachsen) und eine Gerade (eine der beiden Zylinderachsen).

Auf Basis dieses Bezugssystems können die übrigen Geometrieelemente (fünf Zylindersegmente mit Radius 1 mm) nach Richtung bzw. Ort toleriert werden.

[u]Nenngeometrieelement:[/u]
Die Nenngeometrie besteht aus fünf Zylindersegmenten mit einem Radius von 1 mm. Aufgrund des spezifizierten Bezugssystems müssen die fünf Achsen dieser Zylindersegmente parallel zur Bezugsachse "A" (Situationselement Gerade der Kollektion der beiden Zylinder) sein und zu dieser einen Abstand von 2,8 mm aufweisen. Ferner müssen sie in Ebenen liegen, welche die primäre Bezugsachse "A" enthalten und jeweils um den TED-Winkel 60° zum Situationselement Ebene der Kollektion der beiden Zylinder gedreht sind.

[u]Toleranzzone:[/u]
Die reale (extrahierte) Oberfläche dieser Zylindersegmente muss zwischen zwei zur jeweiligen (geometrisch idealen) Nenngeometrie äquidistanten Flächen liegen. Diese Flächen hüllen Kugeln vom Durchmesser 0,05 mm ein, deren Mittelpunkte auf der Nenngeometrie liegen.

[u]Anmerkung:[/u]
Die Spezifikation einer kombinierten Toleranzzone (CZ) ist hier nicht erforderlich, da aufgrund der festgelegten Bezüge, die Lage der Toleranzzonen zueinander bereits festgelegt ist. Der Modifikator "CZ" würde keine weiteren Einschränkungen der Toleranzzonen in Ort und Richtung untereinander bewirken.

Weitere Hinweise:
1. Da die Anzahl der Berührungspunkte zwischen Bezugselement (Oberfläche des Werkstücks) und dem berührenden Geometrieelement (Zylinder mit TED-Durchmesser 4 mm) nicht vermindert werden sollen, darf die Angabe der Bezugsstellen in diesem Beispiel auch wegelassen werden (siehe ISO 5459).

2. Ist das assoziierte Geometrieelement nicht vom selben geometrischen Typ wie das Bezugselement dann muss der Modifikator [CF](berührendes Geometrieelement) dem betreffenden Bezugsbuchstaben nachgestellt werden. Da in diesem Beispiel beide Elemente vom selben Typ sind (Zylinder bzw. Zylindersegment) könnte der Modifikator optional auch wegelassen werden.

Steinbeis-Beratungszentrum
Konstruktion. Werkstoffe. Normung.

V. Läpple

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volkerlaepple
Mitglied seit 28. 05. 2014
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