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Bei der "praktischen" Anwendung der in den einschlägigen internationalen (ISO-GPS) Normen zur Verfügung gestellten Werkzeuge treten in der Regel eine Vielzahl an Fragen auf. Diese beginnen beim Verständnis des Normeninhaltes und gehen über die "richtige" Interpretation von Zeichnungs­eintragungen bis zur Lösung konstruktiver Aufgabenstellungen. Weitere Fragen ergeben sich bei der Abbildung der neuen geometrischen Werkzeuge in CAD-Programmen, der wirtschaftlichen messtech­nischen Umsetzung sowie der flächendeckenden betrieblichen Einführung dieses komplexen Normensys­tems.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die damit verbundenen Fragestellungen trotz der großen Diversität hinsichtlich konstruktiven Anforderungen, Bauteilgrößen oder eingesetzten Werkstoffen häufig nahezu identisch sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Diskussionsforum eine Plattform zur Verfügung stellen, Ihre Fragen und „Tolerierungsprobleme“ zu diskutieren. Möglicherweise finden Sie auch in den bereits bearbeiteten Forenbeiträgen die Antwort auf eine Ihrer Fragestellungen.

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Darf das Basis-Feature sich selbst in der Toleranz beinhalten?

Hallo zusammen

Ausgangslage:
Ich habe ein Drehteil, bei dem ein Teil der Kontur höhere Ansprüche an Genauigkeit und Oberflächengüte hat. Anstatt jede Fläche dieses Bereichs einzeln zu tolerieren, markiere ich den Bereich und definiere, dass dieser Bereich
1.) Ra1 1.6 Oberflächengüte hat und
2.) eine spezifizierte Lagetoleranz

Das Problem:
Der Bereich umfasst das bezugsbildende Element. Zum besseren Verständnis hänge ich hierfür eine Beispielzeichnung an.

Frage:
Darf der tolerierte Bereich die Bezüge selbst beinhalten?

mfG
os

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o.s.
Mitglied seit 06. 11. 2014
7 Beiträge

Guten Tag Herr Stuker

Antwort auf Ihre Frage
Bei der Sache vom Selbstbezug gibt es verschiedene Ansichten. Ich habe z.B. gehört, dass man Koaxialität einer Lagerstelle in einem gemeinsamen Bezug zu sich und einer zweiten Lagerstellen auf heutigen modernen Msssmaschinen messsen kann. Meine Ansicht dazu ist, dass man diese Art der Tolerierung vermeiden sollte. Hier würde mich die Meinung vom Toleranzberatungsteam wunder nehmen.[/b]

[b]Allgemeine Pos. Tolerierung
Nun zu den anderen Sachen, welche mir aufgefallen sind. Grundsätzlich dünkt mich 0.1 mm nicht besonders als anspruchsvolle Spezifikation auf die angegebenen Masse, zumal z.T. Allgemeintoleranzen nach ISO 2768-mK der Anforderung fast decken. Die Allgemeine Angabe von 0.1mm hat zudem die Schwäche, dass die zuässige Toleranzzone keine Rücksicht auf die Abmasse des Geometrieelementes nimmt.

Allgemeintolerierung
Für mich macht die Angabe der Pos. Tolerierung den Eindruck, dass sie eine Art Allemeintolerierung mittels GPS machen wollen. Nun ist es so, dass im ISO/TC 213/WG 18 sich die Experten noch den Kopf zerbrechen, wie man Allgemeintolerierung und ISO GPS am besten zusammenbringt. Es gibt noch kein definitve Lösung, aber Ansätze davon.

Gewinde
Gewinde sind sicher aus der Allgemeintoleranzen ausgenommen und haben eigene Normen. Gewindetolerierung ist in ISO 956 gegeben und Gewindefreistiche können nach DIN 76-1 toleriert werden.

Funktionsanforderung
Wie oft fehlt hier zur genauen Beurteilung die Funktionsanforderungen der einzelnen Geometrieelemente. Deshalb kann ich nicht beurteilen ob all Elemente (z.b. Aussenstirnflächen, Radien) wirklich so wichtig, sprich genau sein müssen und so Allgemeintoleranzen genügen.

Anbei sehen Sie einen Vorschlag von mir auf der Basis der mir vorhanden Informationen. Würde mich auf Feedback freuen

freundliche Grüsse
M. von Flüe

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MvF
Mitglied seit 28. 08. 2015
12 Beiträge

Guten Tag MvF

Vielen Dank für die Inputs - Meine Zeichnung war nur ein Beispiel, daher kann selbst ich nichts zu den Funktionsanforderungen sagen Es geht mir wirklich nur um die Problematik, dass ich die Tolerierte "Zone" über die Basis hinweg möchte.

Es sollte ja nicht weiter schlimm sein, wenn eine Toleranz weniger anspruchsvoll ist als die Allgemeintoleranz. Ich weiss nicht, woher das kommt, dass einige Leute das als Katastrophe ansehen, wenn man mit einer Tolerierung die allgemeine Anforderung lockert. Da habe ich persönlich schon ganz abstruse Geschichten miterlebt...
Andererseits ist es in der Tat nicht nett, wenn ich Feature-Grössen-unabhängige Toleranzen auf die Zeichnung setze. Der Schuss kann im dümmsten Fall nach hinten losgehen. In meinem konkreten Fall sollte das aber nicht der Fall sein. Meine Beispielzeichnung wäre da aber schon grenzwertig.

Mir ist noch nie eine Toleranzklassenangabe bei einem Gewinde über den Weg gelaufen, daher die Frage: Wann macht diese Sinn? "Toleranzklassen müssen nicht angegeben werden, sofern die für den Normalfall festgelegte Toleranzklasse gemäss ISO 965-1 genügt" steht in meinem Normenauszug. Demzufolge nehme ich an, dass der Standard ausreichend ist, um praktisch alle Anwendungen abzudecken.
Und grad noch eine Frage dazu: Sind die in ISO 965-1 festgelegten Toleranzklassen ein "Default" oder müsste das, wie auf Ihrem Vorschlag, explizit angegeben werden? Ich dachte, die Angabe "M10" ruft die Norm mitsamt ihren Toleranzklassen bereits auf.

Wie gesagt: Die Funktionsanforderung bei meiner ursprünglichen Zeichnung ist lediglich, meine Problemstellung sehr allgemein zu verdeutlichen

MfG
o.s.

o.s.
Mitglied seit 06. 11. 2014
7 Beiträge

Guten Tag Herr Stuker

Allgemeintoleranzen
Sie haben recht: klar darf die vermerkte Tolerierung grösser sein als jene von den Allgemeintoleranzen geforderten. Das macht ja ein Bauteil unter dem Strich nur günstiger. Jedoch haben Sie im Begleittext zitiert "Ich habe ein Drehteil, bei dem ein Teil der Kontur höhere Ansprüche an Genauigkeit und Oberflächengüte hat.". Dies hat micht zu den Kommentaren veranlasst, welche Sie in dem letztem Beitrag lesen konnten.

Gewinde
Richtig: Ist nichts festgelegt (z.B. nur Angabe M10), gilt nach ISO 965-1; Kap. 5.2 die mittlere Toleranzklasse 6g/6H bei M1.6 und grösser. Ich habe die Angabe "Tolerierung nach ISO 965" nur angegeben, um mir bewusst zu machen, dass das Gewinde an sich bereits toleriert ist.
Wenn ich ISO 965-1, Kap. 11 richtig verstanden habe muss das Gewinde die Anforderung einer Gutlehre entsprechen. Das würde bedeuten, das die Formabweichung des Gewindes mittels Hüllbedingung (Tylor-Prinzip) sichergestellt werden muss.
Jedoch fehlt die Postion und Orientierung des Gewinde zu seinen Nachbargeometrieelementen, deshalb habe ich die Positionsotoleranz für die Mittelline des Gewindes gewählt.

Funktionsanforderung
Die Problemstellung allgemein zu verdeutlichen finde ich schwierig. Denn kaum ein Bauteil wird gleich verwendet wie ein anderes, ansonsten würden ja alle gleich aussehen und wären Normteile, z.B. Schrauben.
Was ich besser finde allgemein zu betrachten, sind einzelen Funktionsgruppen, wie z.B. Lagerstellen. Aber auch da sollte immer das ganzes System zuerst überschaut werden, um die Funktion vollständig erfassen zu können. Wie gesagt, ist dies meine persönliche Betrachtungsweise.

freundliche Grüsse
M. von Flüe

MvF
Mitglied seit 28. 08. 2015
12 Beiträge